Berufe sehen und verstehen – Vlog

Aufstieg im Handwerk: Geselle bleiben oder den Meister wagen?

Wer in Handwerksberufen arbeitet, für den stellt sich oft an irgendeinem Punkt in der Karriere die Frage: Wie soll das weitere Berufsleben aussehen? Möchte ich bis zur Rente als Geselle arbeiten oder reichen meine Leistungen, meine Motivation und Kenntnisse, um die Meisterschule zu absolvieren?

Beides ist nicht nur eine Frage der handwerklichen und schulischen Fähigkeiten, sondern auch des Geldes: Ein Gesellengehalt alleine reicht heute meistens kaum, um eine Familie zu versorgen. Umgekehrt bedeutet die Weiterbildung zum Meister aber ein finanzielles Wagnis, denn sie ist recht kostspielig und zudem langwierig. Um den Vergleich beider Optionen mit ihren Vor- und Nachteilen soll es in diesem Artikel gehen. Und zusätzlich um die Frage, ob neben dem „ewigen Gesellen“ und dem Meister noch ein dritter Weg möglich ist.

Um die Fragestellung des Artikels konsequent zu beantworten, muss zu Anfang zunächst ein Vergleich zwischen Geselle und Meister stehen. Sowohl in ihren Tätigkeitsbildern, als auch den Gehältern und Zukunftschancen.

Geselle

Der Geselle ist nach dem erfolgreichen Abschluss seiner Berufsausbildung das Rückgrat der Handwerksbetriebe, ohne den nichts läuft. Er erledigt je nach Beruf all die handwerklichen Arbeiten zwischen Autoreparatur, Fahrten zu den Kunden zum Austausch der Heizung und dem Decken von Dächern. Dabei tragen Gesellen oft weniger Verantwortung, Aufträge erhalten sie meist von Meistern, Werkstattleitern etc.

Gehaltsmöglichkeiten

Grundsätzlich liegt das Gehalt von Handwerksgesellen im Vergleich mit Berufen außerhalb des Handwerks meist niedrig, jedoch steigen die Bezüge mit Gewerkschaftszugehörigkeit, Qualifikation und Berufsalter sukzessive: Ein Handwerksgeselle mit vielen Jahren Berufserfahrung verdient oftmals deutlich mehr als ein frischgebackener Meister. Wie in den meisten Berufen unterscheiden sich auch die Gehälter im Handwerk zwischen den Bundesländern teilweise deutlich. Die nachfolgenden Zahlen sind daher nur Richtwerte.

Zukunftschancen

Auch wenn Gesellen nicht selbst ausbilden können, so sehen ihre Zukunftschancen trotzdem gut aus: Die meisten Handwerksberufe werden auch zukünftig noch Fachleute benötigen. Kein Roboter kann in einem Altbau die verrosteten Wasserleitungen instand setzen oder eine nicht-normgerechte Elektrik fachgerecht umbauen. Jedoch sind Stellen heute nicht mehr so sicher wie noch vor Jahrzehnten. Daher ist es für Gesellen entscheidend, sich fortzubilden, um im Rennen um Arbeitsplätze die Nase vorn zu haben.

Meister

Der Meister ist der Profi im Handwerk: Er verfügt über das größte Wissen, die umfangreichsten Fähigkeiten. Früher bedeutete das, dass Meister weniger selbst handwerklich arbeiteten, sondern überwiegend die Planung, Aufsicht und Nachkontrolle ausübten. In manchen Berufen geht der Trend allerdings zum mitarbeitenden Meister, der für anspruchsvolle Kunden oder bei schwierigen Aufgaben zum Einsatz kommt. Meister tragen die volle Verantwortung, dürfen dafür aber auch Lehrlinge ausbilden und einen eigenen Betrieb eröffnen.

Gehaltsmöglichkeiten

Bei angestellten Meistern steigt ebenfalls das Gehalt mit der Dauer der Berufszugehörigkeit und der Qualifikation. Im Gegensatz zum Gesellen kann sich für das Meistergehalt jedoch auch die Selbstständigkeit bezahlt machen.

Zukunftschancen

Kurz gesagt der Meisterberuf hat nicht nur Zukunft, er ist die Zukunft: Nur Meister dürfen neue Handwerker ausbilden und in vielen Handwerksberufen Firmen eröffnen. Daher wird der Meister auch noch in vielen Jahren eine hohe Relevanz besitzen. Diese lässt sich ebenfalls durch Weiterbildungen noch steigern. Was selbst den Meistern zugutekommt, die sich nicht selbstständig machen, sondern nur den Betrieb wechseln möchten.

Geselle, einfach „nur“ arbeiten?

Die Geschichte des Handwerksgesellen ist unmittelbar mit der des Handwerks verknüpft. Schon im Mittelalter war die Unterteilung zwischen Lehrling, Gesellen und Meister innerhalb der Zünfte scharf abgegrenzt und von ähnlicher Bedeutung wie heute. Jedoch war es in früheren Jahrhunderten für fast alle jungen Gesellen üblich, nach dem Ende der Ausbildung auf die Walz zu gehen. Etwas, das heute nur noch von manchen Zimmerleuten ausgeübt wird.

Die Gesellenprüfung

Den Abschluss einer Handwerksausbildung markiert die Gesellenprüfung. Sie findet zweimal pro Jahr statt (für 3 bzw. 3½-jährige Ausbildungen). Sie besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil, beide meist in der Handwerkskammer berufsschulklassenweise abzulegen. Wer eine oder beide Teile der Prüfung nicht besteht, hat insgesamt zweimal Möglichkeit zur Wiederholung. In dieser Phase muss der Ausbildungsbetrieb ihn weiterbeschäftigen. Erst wenn die Prüfung dreimal nicht bestanden wurde, gilt die Ausbildung als nicht abgeschlossen.

Theorie

Bei der theoretischen Prüfung werden, ähnlich einer Klassenarbeit, auf schriftlichem Weg die in den vergangenen Jahren erlernten Fähigkeiten sowie meist auch Wissen im Bereich Betriebswirtschaft abgefragt. Letzteres wird grundsätzlich im Handwerk gelehrt, damit hier Grundkenntnisse vorhanden sind.

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Praxis

Anschließend müssen die Prüflinge ihre praktischen Fähigkeiten beweisen. Hier erstellen sie meist ein Prüfstück und führen einige Beispielarbeiten aus. Etwa das Verkabeln der Beleuchtungsanlage eines Autos an einem Schaumodell, oder das Verputzen einer Wand. Wurden Theorie und Praxis zur Zufriedenheit der Prüfer absolviert, gilt die Ausbildung als erfolgreich abgeschlossen und der Lehrling wird durch Verleihung des Briefs zum Gesellen.

Für wen lohnt es sich?

Es lohnt sich vor allem für die Handwerker, die sich nicht mit planerischen und betriebswirtschaftlichen Problemen beschäftigen möchten. Der Geselle befasst sich meist tatsächlich nur mit der Ausübung des Handwerks. Mit Auftragsannahme und Rechnungserstellung hat er meist ebenso wenig zu tun wie mit der Gesamtplanung der Arbeitsabläufe. Der Vorteil: Niemand muss bis zur Rente Geselle sein. An nahezu jedem Punkt, beginnend mit der bestandenen Gesellenprüfung, kann die Entscheidung „pro Meister“ fallen.

Aufstiegschance Weiterbildung

Auch innerhalb des Berufs können Gesellen sich weiterqualifizieren. Prinzipiell bleiben sie auch nach einer solchen Qualifikation zwar „nur“ Gesellen, erfüllen dann aber ein breiteres Spektrum an Aufgaben, was sich natürlich auch auf der Gehaltsabrechnung niederschlagen kann. Je nach Qualifikation bleiben dabei allerdings klassisch-handwerkliche Tätigkeiten des Berufs auf der Strecke. Eine Auswahl:

Beispiele im Kfz-Bereich

  • Servicetechniker führen neben der eigentlichen Reparatur auch das Kundengespräch und die Diagnose von Problemen durch.
  • Serviceberater arbeiten ähnlich Kfz-Meistern als Bindeglied zwischen Kunde und Werkstatt. Sie besprechen Probleme und kontrollieren nach Abschluss die Arbeitsqualität.
  • Verkäufer haben mit Reparatur und Kundendienst fast nichts mehr zu tun. Sie vermitteln Neu- und Gebrauchtwagen an Interessenten.
  • Teile- und Zubehörspezialisten sind die „Herrscher“ des Ersatzteillagers und stehen damit für die Mechaniker und Kunden in allen Fragen zu Ersatz- und Zubehörteilen zur Verfügung.

Der Meisterzwang

Bis 2004 war es in der Bundesrepublik fast unmöglich, ohne Meisterbrief einen eigenen Betrieb im Handwerk zu gründen und zu führen, der sogenannte Meisterzwang. Mit der Gesetzesnovelle stehen nun aber auch im Handwerk einige Berufe erfahrenen Gesellen offen, die über mindestens sechs Jahre Berufserfahrung verfügen. Das bedeutet: Sie dürfen auch ohne Meisterbrief ein eigenes Unternehmen gründen und leiten. Ausbilden dürfen sie jedoch trotzdem nicht. Allerdings kann dies auch problembehaftet sein: Ein Teil der Meisterschule befasst sich ausschließlich mit den betriebswirtschaftlichen Aspekten der Firmenleitung. Ein Geselle ohne solches Wissen wird es bei der Leitung einer Firma meist wesentlich schwerer haben.

Meister, Könige des Handwerks

Auch der Meister existiert in seiner heutigen Form prinzipiell bereits seit dem Mittelalter. Schon damals konnten nur Meister sich selbstständig machen und neue Lehrlinge ausbilden. Jedoch war die Meisterprüfung aufwändig und kostspielig, sodass nur wenige den Sprung wagten. Dann aber winkte die Zugehörigkeit zu den Zünften und damit hohe gesellschaftliche Macht.

Die Meisterschule

Vor dem Meisterbrief steht der Besuch einer Meisterschule. Dort lernen die angehenden „Könige des Handwerks“ alles, was sie zum Führen eines Betriebs und zur Ausbildung an Wissen benötigen. Auch die Vertiefung des eigentlichen Know-Hows um das ausgeübte Handwerk nimmt eine wichtige Rolle ein: Meister sollen ja tatsächlich über das gesamte Wissen ihres Berufs in allen Aspekten verfügen. Je nach Handwerk dauert die Schule zwölf bis 24 Monate in Vollzeit oder analog bis zu vier Jahre in Teilzeitform neben dem Beruf.

Voraussetzungen in Deutschland

Wer in dem Handwerk, in dem er Meister werden will, die Gesellenprüfung erfolgreich absolviert hat, kann sich praktisch am Tag danach für die Meisterschule anmelden. Wer Meister in einem anderen Beruf werden will, als seinem erlernten, muss laut Handwerksordung mehrjährige Erfahrung, jedoch nicht mehr als drei Jahre, nachweisen.

Ausbildungsinhalte

Die Meisterschule im Handwerk besteht aus vier Schritten, den Modulen, die mit römischen Zahlen benannt sind: I und II vermitteln Berufspraxis und –theorie, die Teile III und IV befassen sich mit Betriebswirtschaft sowie Berufspädagogik (zur Erlangung der fachlichen Ausbildungsfähigkeiten). Ein ganzheitlicher Wissensansatz. Alle Module zusammen machen momentan rund 1000 Stunden aus.

Die Meisterprüfung

Eine eigentliche Prüfung im Sinne einer abschließenden Klausur oder Prüfarbeit existiert nicht. Vielmehr muss am Ende jedes Ausbildungsmoduls durch ein Meisterstück (I), Klausuren (II & III) und in einer Unterweisungsprobe (IV) das Verstehen des Erlernten bewiesen werden. Nach Bestehen aller vier Teile wird der Meisterbrief meist in einer feierlichen Zeremonie verliehen.

Kostenpunkt Meisterschule

Freilich hat der Meister auch seinen Preis. Kurse, Lehrmittel und Prüfungen kosten Geld. So muss ein angehender Heizungsbaumeister in Rheinland-Pfalz für die Module I und II sowohl in Voll- als auch Teilzeit Kosten von rund 8000 Euro einplanen. Die Module III und IV sind etwas günstiger, hier fallen nur rund 2600 Euro an – summa summarum also rund 11000 Euro. Jedoch existieren Programme wie das Meister-BAföG in Form von zinsgünstigen Darlehen, die diese hohen Kosten etwas abfedern können.

Für wen lohnt es sich?

Für alle, die nicht bloß ihr Handwerk ausüben, sondern es bis ins kleinste Detail verstehen möchten. Zudem ist der Meister, je nach Beruf, auch für Gesellen mit dem Wunsch nach Selbstständigkeit zwingend. Darüber hinaus ist der deutsche Meisterbrief auch ein international anerkanntes Gütesiegel, das beispielsweise auch potenziellen Auswanderern Tür und Tor öffnen kann. Und gleichzeitig eröffnet das Dokument auch den Zugang zu weiteren Aufstiegsmöglichkeiten durch Fortbildung.

Aufstiegschance Weiterbildung / Überblick kaufmännischer Bereich

Der kaufmännische Bereich wird bereits in der Meisterschule grundlegend gelehrt. Jedoch existieren hier weitere Möglichkeiten in der privaten Weiterbildung. Etwa das Programm e-volution von Hager, das sich speziell an Neugründer und Nachfolger von Firmen richtet. Hier bekommt der Elektromeister nicht nur gezeigt, wie er in den Eigenheiten einer bereits bestehenden Firma den Überblick behält, sondern wie er Schritt für Schritt sein eigenes Unternehmen erfolgreich aufbauen und etablieren kann.

Technische Weiterbildung

Will der Meister in Sachen Technik am Puls der Zeit bleiben, sind meist die Handwerkskammern sein Ansprechpartner. Hier laufen die Informationen über Neuerungen im Handwerk zusammen und werden in Kursen an die Meister weitervermittelt – die dann dieses Wissen an ihre Gesellen und Auszubildenden weitergeben können. Vor allem diese Weiterbildung ist für jeden Meister wichtig, ganz gleich ob er angestellt oder selbstständig ist.

Meister an der Universität

Die Königsdisziplin für Meister ist der Weg des Studiums, denn der Meisterbrief steht in Deutschland auf gleicher Ebene wie der Bachelor: Mit dem Meisterbrief in der Tasche steht automatisch die Tür zu berufsbezogenen Fachhochschulen und damit zu weiterem Aufstieg in die Führungs- und Entscheidungsriegen großer Unternehmen offen. So kann binnen eines Jahrzehnts aus einem Hauptschulabschluss über Ausbildung und Meisterschule ein Ingenieur entstehen, der bei Unternehmen schon deshalb hochbeliebt ist, weil der seinen Beruf „von der Pike auf“ gelernt hat und mit wirklich allen Aspekten vertraut ist. Wer über diesen Weg zum Ingenieur wurde, kann sich sicher sein, dass seine berufliche Zukunft in trockenen Tüchern liegt und er bei den meisten Stellenausschreibungen ganz oben auf der Liste steht. Autohersteller etwa bevorzugen durch die Bank Ingenieure in ihren Teams, die nicht nur nach der Schule auf der Universität ihr Wissen bekamen, sondern auch als kleiner Mechanikergeselle gesehen haben, welche Auswirkungen Ingenieursentscheidungen auf die Reparierbarkeit eines Fahrzeugs haben können.

Dritter Weg Techniker

Wer nicht plant, einen eigenen Betrieb zu eröffnen oder sich mit unwilligen Auszubildenden herumzuplagen, für den könnte der staatlich geprüfte Techniker einen Mittelweg darstellen.

Techniker, was ist das?

Der Techniker ist ein dem Meister mehr oder weniger gleichgestellter Abschluss oberhalb des Gesellen. Im Gegensatz zum Meister werden hier jedoch weniger die praktisch-technischen und kaufmännischen Aspekte des Handwerks gelehrt, als die Theorie. In vielen Bereichen sind die schulischen Teile für Meister und Techniker identisch, in anderen Teilen weichen sie gravierend ab: Techniker erhalten nicht nur mehr theoretisches, sondern auch allgemeinbildendes Wissen. Deutsch und Englisch stehen ebenfalls auf dem Lehrplan wie nicht-berufsbezogene Mathematik.

Für Theorie-Profis

Analog zu der Ausbildung liegt auch im Beruf der Schwerpunkt des Technikers im theoretischen Bereich: Techniker sitzen eher am Reißbrett denn in der Werkstatthalle. Sie befassen sich mit dem Planerischen, den Konstruktionen von Systemen hinter dem eigentlichen Handwerk und kommen auf diese Weise der Arbeitsweise des Ingenieurs näher. Wer etwa sein Handwerk im Straßenbau gelernt hat, kann über den Techniker in die Planungsbüros der Ämter gelangen und so die technische Ebene des Baus und Umbaus von Straßen, Wegen und Autobahnen bestimmen.

Überblick Techniker-Weiterbildung

Der Weg zum staatlich geprüften Techniker führt über eine Fachschule für Technik. Während die Meisterschule summa summarum 1000 Unterrichtsstunden umfasst, kommen angehende Techniker meist auf das Zweieinhalbfache, nämlich gut 2500 Stunden. Allerdings hat dies gleich mehrere Vorteile: Durch den höheren Anteil an allgemeinwissenschaftlichen Fächern wird der Übergang in ein späteres Studium enorm erleichtert. Gleichzeitig fallen an staatlichen Fachschulen oft keine Gebühren für den Unterricht selbst an, lediglich für die Prüfungen entstehen Kosten in Höhe von unter 1000 Euro. Auch Technikern steht das Meister-BAföG offen, zudem unter Umständen auch die Variante für Schüler, sodass die Kosten aufgefangen werden.

Vom Lehrling zum Manager per Techniker-Ausbildung?

So unglaublich es vielleicht klingen mag, aber dieser Weg ist durchaus möglich, denn auch beim Techniker hat die vorangehende Berufsausbildung hohen Stellenwert für viele Unternehmen. Vor allem solche, die für ihre Teams Leute bevorzugen, die die praktischen Seiten des Berufs bereits kennen. Daher kann sich ein einstiger Elektriker-Lehrling über den Weg der Techniker-Ausbildung durchaus als Manager eines Entwicklungsteams wiederfinden, das Bauteile für die Steuerung elektronischer Anlagen konstruiert.

Mögliche Wege im Handwerk

Wer sich zum Techniker weiterbildet, der wird auch im Handwerk künftig selten mit schmutzigen Händen nachhause kommen: Ein denkbarer Weg wäre es beispielsweise, nach der Ausbildung zum Maurer erst einmal ein paar Jahre Praxiserfahrung zu sammeln. Nach dem Erwerb des Technikers über die Fachschule könnte der nächste Posten bei einem Bauingenieurs- oder Architekturbüro liegen, wo der Techniker dabei hilft, Gebäude und ganze Viertel zu planen. Dabei kommt ihm einmal mehr die praktische Erfahrung zugute, über die Bauingenieure und Architekten nur selten in diesem Ausmaß verfügen. Allerdings: In kleinen Dreimannbetrieben, wo es aufs Anpacken und handwerkliche Fähigkeiten „draußen“ ankommt, werden die wenigsten Techniker landen. Eher in größeren Firmen, in denen umfassendes theoretisches und praktisches Wissen benötigt wird.

DARF DER TECHNIKER ETWAS, DAS DER MEISTER NICHT DARF?

Jein: Ein Techniker alleine darf beispielsweise nicht ohne weiteres ausbilden. Sein Abschluss erwirbt ihm aber die benötigte „Fachliche Eignung“, mit der er durch Absolvieren des Meisterschulen-Moduls IV die Ausbildungsberechtigung erlangen kann. Für zulassungspflichtige Handwerke bedeutet das, dass dieses Recht auch mit dem Modulschein in der Tasche dem Techniker erst durch die Handwerkskammer zugesprochen werden muss.

Für zulassungsfreie Handwerke sieht die Sachlage ähnlich aus: Auch hier muss zum Ausbilden das Meisterschulen-Modul IV absolviert werden. Doch muss der Techniker zusätzlich auch einige Jahre (maximal drei) Berufspraxis nachweisen können.

Und auch wer sich als Techniker selbstständig machen will, muss für eine gewisse Zeit die Meisterschule besuchen: Hier muss im Modul III das kaufmännische Wissen erworben werden – sofern es sich um ein zulassungspflichtiges Handwerk handelt.

Zusammenfassung und Fazit

Egal an welchem Punkt sich ein Handwerker in seiner Entscheidungsfindung befindet: Fest steht, dass die Zeiten von „Lehre machen, Gesellenbrief erlangen und dann bis 65 arbeiten“ definitiv passé sind. Ohne irgendeine Form von Weiterbildung wird es auch im Handwerk immer schwerer, eine Stelle zu finden. Und selbst wer nach der Ausbildung von seinem Betrieb übernommen wurde, sollte sich auch ohne Zwang von oben in der Freizeit nachweisbar weiterbilden. Wer dann „nur“ zehn Jahre Berufserfahrung und sonst keinerlei Weiterbildung in seinem Lebenslauf nachweisen kann, wird es bei der Jobsuche schwer haben. Wissen, das während der Ausbildung erlangt wurde, spiegelt nur den Moment wider. Handwerk und Technik entwickeln sich jedoch immer weiter und zwingen jeden im Beruf, am Ball zu bleiben. Nicht nur, um seinen Job optimal ausüben zu können, sondern um das Handwerk an sich am Puls der Zeit zu halten. Die Entscheidung pro oder contra Meisterschule muss freilich von jedem selbst getroffen werden. Aber: Handwerkskammern und Privatunternehmen bieten unzählige Programme für jede Position an. Wichtig ist nur, dass überhaupt Fortbildung betrieben wird. Ob das nun ein einwöchiger Feierabendkurs in Sachen Elektro-Autos für den Kfz’ler ist, oder die Meisterschule für den Elektrikergesellen, der keine Lust mehr auf zugige Rohbauten hat, ist vollkommen gleich.


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